Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

Jim Knopf Die Wolke der Ungleichen
Aschenputtel
Theater Kranewit, Berlin
Da waren die nackten Füße auf dem Schemel, der ganz vorne in der Bühnenmitte stand als die Kinder hereinkamen. Während sie sich noch auf ihren Plätzen einrichteten und den Beginn des Spiels erwarteten, rätselten die darüber, was das wohl solle und ob das wohl Puppenfüße seien oder die eines lebenden Menschen??
Die Bühne war voller altmodischer Dinge: eine Wäscheleine, eine große Metallschüssel gefüllt mit farbigen Stoffen, ein Holzhocker, emaillierte Kochtöpfe. Und dann richtete sich Kristina Feix auf, denn es waren ihre Füße, die auf dem Hocker ruhten, und begann mit der Erzählung. Ihre Figuren waren aus Gemüse, frisch vom Markt. Sie selbst war das Aschenputtel, das mit einfachsten Mitteln in die verschiedenen, im Märchen angelegten Rollen schlüpfte. Mal war sie die schlecht behandelte, schmutzige, zurückgelassene Schwester, doch der Zauberbaum am Grab ihrer Mutter schenkte ihr ein goldenes Kleid. Sie streifte es über und verwandelte sich in ein aufgeregtes junges Mädchen, das zum Ball im Schloss gehen konnte. Natürlich verliebte sich der Prinz in sie. Den fein herausgeputzten Schwestern schenkte er keine Beachtung. Er ist in diesem Spiel nur in der Phantasie der Zuschauer da – man bekam ihn nicht zu sehen, sondern eigentlich nur Aschenputtels Seite des Gespräches. Die „Kleider“ von Aschenputtel und die Kostüme Ihrer Schwestern wurden während des Spiels aus den Stoffbahnen kreiert, die zum Spielbeginn in der Metallschüssel lagen. Alle Requisiten wurden vielfältig, kreativ eingesetzt. In dieser Hinsicht war die Inszenierung wie das Spiel von Kindern angelegt, für die ein Gegenstand die unterschiedlichsten Funktionen haben kann.
Dass Kristina Feix eher altmodische Gegenstände aus dem Nachlass der Puppenspielerin in Mo Bunte wählte, passte zum Grundton des Märchens, das ja schon seit über hundert Jahren erzählt wird.
Eine gelungene Inszenierung, die in ihrer Bildsprache auch die Jugendlichen überzeugen konnte, die kreatives Theaterspiel studieren wollten.
Jim Knopf Die Wolke der Ungleichen
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