Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kaltFreue Dich gesund
Der Gerettete & Der Erfinder
Theater con Cuore, Schlitz / Freie Bühne Neuwied
Ein Hörspiel von Dürrenmatt als Einakter 1948 konzipiert, sagt mir erst einmal nichts, aber der Inhalt „Flüchtlingsproblematik“ ist ja sehr aktuell.
Also beschließe ich, mir die Inszenierung anzuschauen.
Der Entertainer Boris begrüßt sein Publikum zur Show? Bin ich auf dem Kreuzfahrtschiff oder im Theater? Worum es sich handelt, ist mir zuerst nicht klar. Der zweite Spieler, Stefan, betritt die Bühne und bittet seinen Freund, gemeinsam die Szenen zu spielen, die sie als Theatervergnügung vorbereitet haben. „Nur einmal.“ Schließlich willigt Boris ein. Beide steigen ins Boot und werden zu Schiffbrüchigen, die auf dem Meer treiben und auf Rettung hoffen.
Doch sie sind nicht allein an Bord. In verschiedenen Episoden wird allmählich deutlich, dass ganz unterschiedliche Charaktere Asyl in der Schweiz erbitten. Ihnen wird stets korrekt entgegen gehalten, welche Voraussetzungen sie dazu erfüllen müssen: Sind sie wirklich Flüchtlinge? Können sie das auch beweisen? Müssen sie tatsächlich in ihrem Heimatland um ihr Leben fürchten? Oder geben sie das nur vor, weil sie sich ein besseres Leben in der Schweiz erhoffen? Nur jemand der bedürftig ist, kann um Asyl bitten. Alles ist genauestens zu prüfen: Schweizer Bürger wird man nicht einfach so!
Sätze, Formulierungen lassen sich auf das aktuelle Thema der Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik übertragen und hinterfragen ironisch das Handeln politisch Verantwortlicher.
Der Zuschauer nickt zustimmend, um dann festzustellen, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt. Ganz Dürrenmatt: Gesellschaftspolitische Fragen werden grotesk überzogen, um aufzurütteln, zum Nachdenken anzuregen und bürgerliches Rechtsbewusstsein einzufordern.
Im Wechsel zwischen Schauspiel und Figurenspiel werden die Charaktere schärfer herausgearbeitet, als es im reinen Schauspiel möglich wäre. Zudem schafft diese Form der Darstellung ein wenig der notwendigen Distanz zum Thema. Diese Distanz lädt zur kritischen Reflexion des eigenen Verhaltens ein.

Wie sehr den Puppenspielern eine tolerante, weltoffene Haltung am Herzen liegt, wurde im Nachgespräch mit dem Publikum deutlich. Schade, dass dabei die Diskussion zu einem Schlagabtausch von unterschiedlichen politischen Meinungen wurde, wodurch die Aussage des Stücks an Bedeutung verlor. Bei einem anbchließenden Gespräch sollte ein Moderator nicht fehlen.
Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kaltFreue Dich gesund
Zurück zur Übersicht