Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

Menschen und Orte - Theodor Storm
und Bergfest
Der Drache mit den roten Augen
Schweinchen Wilbur und seine Freunde
Theater con Cuore, Schlitz
Wenn man das St√ľck von Theater con Cuore sieht, √ľberrascht es wenig, dass Stefan Maatz erz√§hlt, Schweinchen Wilbur w√§re sein Lieblingskinderbuch (geschrieben von Elwyn Brooks White) gewesen.

Die Inszenierung ist durch und durch liebevoll, was die Umsetzung des Stoffes betrifft - die F√ľlle an einfallsreichen Details der einzelnen Szenen, die mit Seele, Humor und Herzblut gesprochenen Stimmen der menschlichen und tierischen Figuren und nicht zuletzt die sch√∂nen Puppen und die B√ľhne von Matthias H√§nsel.

Die Puppenspieler sind selbst zu sehen, f√ľhren ihre Puppen im rustikalen Farmer Look und sind so zugleich Erz√§hler und Akteure.

Die Emotionen der Zuschauer fahren im Laufe der Handlung Achterbahn, denn wir nehmen an Wilburs Schicksal Anteil und so leiden wir, sind √§ngstlich und beklommen aber k√∂nnen auch herzlich lachen. Und das, obwohl es ja auch darum geht, dass das kleine niedliche Schweinchen vor der Schlachtung bewahrt werden muss, und das gleich zweimal! Der kleinen Farmerstochter Fern hat er n√§mlich bereits sein Leben zu verdanken, sie hat mit ihm gespielt, als er klein war und ihn, als er gr√∂√üer wurde, vor ihrem Vater verteidigt, sodass Wilbur auf den Nachbarshof hatte umziehen d√ľrfen.

Nun sucht Wilbur verzweifelt unter den anderen Tieren auf dem Hof neue Freunde, hat er doch eine kindliche und ganz treue Seele.

Das ist aber nicht ganz einfach, denn mit der hysterischen Gans Gertrud , dem abgeklärten, alten Schaf Henry und der gierigen Ratte Templeton lässt sich anfangs noch schwer ein gemeinsamer Nenner finden.

Doch Gott sei Dank gibt es die Spinne Charlotte, die sich seiner annimmt. Ihr vertraut er blind, denn sie hat versprochen, ihn zu retten und scheint ihn lieb zu haben. Wilbur ist getröstet, während Charlotte schon die Fäden zu seiner Rettung spinnt.

So kommt es, dass sie so manches Wunder vollbringt, was Wilbur schlie√ülich bei einer Landwirtschaftsschau zum w√ľrdevollen Preistr√§ger werden l√§sst ¬Ė ein Schwein, das seinem Bauern zu gro√üer Ehre gereicht, also nat√ľrlich nicht geschlachtet wird.

Der Stoff und seine spezielle Inszenierung stecken voller Liebe und zeigen den gro√üen und kleinen Zuschauern, worauf es im Leben wohl wirklich ankommt: Freundschaft, Zusammenhalten, Vertrauen, auch √ľber Grenzen hinweg.

Als klar wird, dass Charlotte die Spinne sterben wird, nachdem sie ihr Eisäckchen, das Wertvollste, was sie hervor gebracht hat, dem kleinen Wilbur anvertraut hat, merken wir, was auch wir im Umgang mit dem Tod lernen können.

Charlotte hinterl√§sst Wilbur zwar traurig, doch ein gro√ües St√ľck selbstst√§ndiger und zuversichtlicher, denn er ist an ihrem weisen und philosophischen Wesen gereift.

Eines wird jedenfalls bei der Inszenierung deutlich: wenn viele Wesen zusammen kreativ, einfallsreich und mutig ein ganz wichtiges Ziel angehen und damit auch noch Erfolg haben, hat sich etwas verändert.

Es ist etwas Neues unter ihnen entstanden, ein wertvoller Schatz im Außen und in ihrer aller Herzen, der nicht vergeht, sondern Bestand hat.
A.Berger, N.Fischbach
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