Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

Die drei RäuberEr ist wieder da
Die Abenteuer des kleinen Buckligen
Christian Fuchs, Weimar
Wenn man die Fachzeitschriften zum Figurentheater seit den 1920er Jahren aufmerksam durchliest, finden sich einige Hinweise zu der Verbindung von Kunst- und Gewerbeschulen und Figurentheatern. 1906 gründete Paul Brann sein Marionettentheater Münchener Künstler, für das u.a. die Künstlerfreunde Josef Wackerle und Olaf Gulbransson Figuren entwarfen. Zwei Jahre später veröffentlichte Edward Gordon Craig seinen Aufsatz "The Actor and the Über-Marionette" und beflügelte damit Diskussionen über die Funktion von Schauspiel und Figurentheater.
1918 vertraute Alfred Altherr, von 1912–38 Direktor der Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums Zürich und Begründer des Schweizer Marionettentheaters, zwei Lehrern der Kunst- und Gewerbeschule Marionettentheaterinszenierungen an: Sophie Taeuber-Arp, die "König Hirsch" von Carlo Gozzi mit Figuren von Carl Fischer in Szene setzte, und Otto Morach, der, ebenfalls mit Figuren von Carl Fischer, "Die Spielzeugschachtel" von Claude Debussy inszenierte.

Das Marionettentheater konnte als Möglichkeit der Gestaltung eines Gesamtkunstwerkes aus Architektur, Bildhauerei, Malerei, Textilkunst, Sprache und Musik wahrgenommen werden. Damit passte es hervorragend zu den Prinzipien des Bauhauses, das die Bereiche der bildenden, der angewandten und der darstellenden Kunst miteinander verbinden wollte.
Zu der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen zu Dresden gehört eine Gruppe von 7 Marionetten und 2 Flachfiguren, die 1923 von den Weimarer Bauhaus-Schülern Toni Hergt und Kurt Schmidt angefertigt wurden. Eine achte Marionette des Ensembles wird im Bauhausarchiv in Berlin verwahrt. Seit 1923 leitete Oskar Schlemmer die Bühnenklasse. Eine Aufführung mit den Figuren war zwar geplant, wurde aber nicht realisiert. Man konnte sich nicht einigen, welches Stück man eigentlich spielen wollte. Schlemmer favorisierte die Thüringer Legende "Der Schmied von Apolda", die Studenten "Die Abenteuer des kleinen Buckligen" aus der orientalischen Sammlung der "Geschichten aus 1001 Nacht".

Auf Initiative des Regisseurs Christian Georg Fuchs hat die Klassik Stiftung Weimar die Puppen nachbauen und spielbar machen lassen. Die Uraufführung der "Abenteuer des kleinen Buckligen" fand am 31.05.2015 am Anhaltinischen Theater in Dessau statt. Am 22.09.2016 stellte Fuchs die Marionetten, ihre Entstehungs- und Inszenierungsgeschichte während der Pole Poppenspäler Tage in Husum vor. Die Nachbauten wurden von Peter Lutz realisiert, der z.T. auch Gelenke ergänzte. Scheinbar hingen die Figuren nie an Fäden, so dass man sich auch überlegen musste, wie sie aufzuschnüren seien. In ihrer Farben- und Formensprache folgen sie weitgehend der Bauhauslehre. Die Figuren werden auch durch ihre Beweglichkeit charakterisiert, was durchaus einer geläufigen Spielbarkeit abträglich sein kann. So kann der Schneider zwar wunderbar den "Schneidersitz" machen, aber kaum gehen, dem Diener wurden die Fußsohlen so angesetzt, dass er sich immer zu verbeugen scheint, und die Frau des Schneiders kann ihren Oberköper extrem weit nach hinten biegen um richtig auszuholen für eine Schimpftirade. Wer noch mehr über die Figuren und die Inszenierungsgeschichte erfahren möchte, dem sei die Website buckliger.wordpress.com empfohlen.
Die drei RäuberEr ist wieder da
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