Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

Schweinchen Wilbur und seine FreundeDie drei Räuber
Der Drache mit den roten Augen
Theater Martina Couturier
Es ist so eine niedliche Geschichte von Astrid Lindgren, die ich mir nicht entgehen lassen will.
Also kaufe ich mir eine Karte und freue mich auf die Inszenierung. Im Gasthaus zum Ritter St. J√ľrgen findet es statt. Wo ist das denn? Doch der Stadtplan hilft und leitet mich am Theodor Storm Grab vorbei in ein rotes Backsteingeb√§ude. Ich gehe durch den Torbogen und nun???
Dort steht ein netter Herr, der mich freundlich begr√ľ√üt und mir den Weg in den Veranstaltungsraum weist: "Gleich rechts und dann die Treppe nach oben." Hier sieht es aus wie in einem Privathaus, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Auf der Treppe liegt ein roter Teppich an den W√§nden Bilder, auf denen eine Gruppe von Leuten, Stadtverordnete, zu sehen sind. Alle halten eine Pfeife in der Hand. Klosterrechnung und die Namen der Teilnehmer stehen unter jedem Bild. Interessant!
Und dann bin ich im ersten Stock. Die T√ľr zum Saal steht offen, ich h√∂re leise Stimmen. Neugierig trete ich ein in einen hellen freundlichen Saal, der schon mit Zuschauern gef√ľllt ist. Haupts√§chlich √§ltere Menschen und einige Kindern warten erwartungsvoll auf das Puppenspiel.
Wohnzimmeratmosph√§re! Ein kleines Podest aus Paletten, verdeckt mit Stoffen dient als B√ľhne. So ist man der Puppenspielerin ganz nah- fast zu nah, denn sie dirigiert vor Beginn noch einzelne Personen auf ihre Sitzpl√§tze und sorgt daf√ľr, dass alle Kinder - f√ľnf sind es - in der ersten Reihe richtig sehen k√∂nnen. Sie selbst sitzt auf einem Stuhl, die B√ľhne hat sie wie ein Tablett vor ihrem Bauch, gehalten wird es durch einen Gurt, den sie um den Hals tr√§gt. Und schon geht¬ís los.
In einem Stall sind ganz kleine Ferkel geboren. Quietschend dr√§ngeln und kuscheln sie sich an die Mutter. Neugierig schauen sich die Kinder dieses Schauspiel an. Bis sie pl√∂tzlich in einer Ecke rote Augen sehen, erschrocken schauen sie nach und entdecken einen kleinen Drachen. Sie kennen keinen Unterschied und k√ľmmern sich sogleich um den Drachen. Sie wollen ihn f√ľttern, nur was frisst so ein Tier?
Martina Couturier erz√§hlt und spielt diese Kindergeschichte mit einer wunderbaren Erz√§hlstimme. Melodisch, leicht fesselt sie Jung und Alt. Auch ich h√∂re gebannt zu und bin verzaubert von ihrem Spiel. Sie schafft es, mich in die kleine Welt des Bauernhofes ¬Ėalles aus Naturmaterialien gestaltet- hineinzuziehen. Ich f√ľhle mit den Kindern, auch ich sorge mich um den Drachen und lache √ľber seine ersten Rauchwolken.
Viel zu schnell ist es zu Ende und die Wirklichkeit hat mich wieder. √úberrascht stelle ich fest, dass es den anderen auch so geht. Teilweise sitzen die √§lteren Leute wie die Kinder mit roten Wangen und leuchtenden Augen da und tr√§umen. "Ach, ist das sch√∂n." h√∂re ich und die Kinder berichten ganz aufgeregt von ihren eigenen Erlebnissen: "Ich war schon mal ..." Vorsichtig wagt ein Kind sich zur Puppenspielerin, um zu den Drachen und die Ferkel aus n√§chster N√§he zu betrachten. Vorsichtig ber√ľhren sie die Figuren, streicheln den Drachen und freuen sich √ľber einen kleinen Strohhalm, den sie behutsam in die kleinen Finger nehmen und mitnehmen d√ľrfen.
Ich bin wundersam ber√ľhrt. Noch nie habe ich erlebt, dass Zuschauer, Spielerin, Erz√§hlung und Spielweise so eine Einheit bildeten, dass es f√∂rmlich zu greifen war. Lag es an diesem au√üergew√∂hnlichen Spielort?
Vielen Dank f√ľr diesen herzerw√§rmenden Nachmittag!
Schweinchen Wilbur und seine FreundeDie drei Räuber
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