Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

G√§nsef√ľ√üchenConsuelo mon amour
Die Traumreise der Schildkröte
Lempen PuppenTheater, Skipton (England)
Auf einem H√ľgel mitten im Nirgendwo, wie es scheint, zeitlos und entr√ľckt, entfaltet sich die poesievolle Handlung des St√ľckes, und die Magie der Szenerie zieht uns Zuschauer sogleich in ihren Bann.

Ist es die Abgeschiedenheit des Ortes, die Ernsthaftigkeit, mit der das dort sitzende Kind versucht, sich in die Melodie des H√ľgels einzuh√∂ren oder die erdverbundene Spiritualit√§t, mit der das M√§dchen den Eingebungen der Natur folgt?

Tagtr√§umereien gleich, werden die Gedanken des M√§dchens begleitet von verzaubernden T√∂nen eines scheinbar uralten Instrumentes, so selbstverst√§ndlich schmeichelt der weiche, sanfte Klang des ¬ĄHang¬ď der Landschaft und l√§sst nicht nur seine kleine Protagonistin, sondern auch uns auf tiefere Ebenen des Bewusstseins gleiten, kaum merklich. Wir gleiten in die Zeit der Erdentstehung und vor unserem inneren Auge entstehen Bilder von Ozeanen, Dinosauriern und anderen Lebewesen, die den blauen Planeten zu Urzeiten bev√∂lkert haben m√∂gen.

Als die Geschichte von der Schildkröte dann beginnt, ist uns klar, dass es sich bei diesem Tier um ein solches, urzeitliches Wesen handelt, was sich auf wunderbare Weise noch immer auf unserer Erde bewegt.

Nun k√∂nnte man meinen, dass St√ľck ginge so weiter, dass die Schildkr√∂te in der Geschichte ihren gro√üen und kleinen Zuschauern ihre doch sicherlich √ľber die Jahrmillionen entwickelte Weisheit anschaulich und didaktisch nahebringt. Ist doch die Schildkr√∂te oft eines jener Tiere, die f√ľr Weisheit und bed√§chtige Ruhe stehen.

Doch zu unserem Erstaunen erzählt die Geschichte vom Gegenteil. Diese Schildkröte hat Ehrgeiz, ja geradezu unbescheidene Pläne. Sie will ganz weit reisen, möchte fliegen können und ganz schnell sein. Sie will also genau die Dinge, die ihr von Natur aus nicht in die Wiege gelegt wurden. Erinnert das nicht auffällig an ein anderes Wesen, das allzu oft unbescheiden und voller falscher Selbsteinschätzung seine Tage auf dem Erdenrund fristet?

Auf ihrem Weg zu ihren Tr√§umen schlie√üt die Schildkr√∂te Freundschaften und Allianzen, um diese Beziehungen an anderer Stelle dann doch durch Egoismus und Einfalt zu zerst√∂ren. Doch trotz gelegentlicher Reue h√∂rt sie nie auf zu tr√§umen und findet sich auch bereit, sich mit herben R√ľckschl√§gen zu arrangieren. ¬ĄFollow your dreams¬ď scheint ihr unbedingtes Kredo zu sein. Damit beeindruckt sie nicht nur ihren Freund, den Vogel, sondern auch uns Zuschauer, bringt uns aber auch zum nachdenken. Wollen wir Gl√ľck erzwingen, ist der Weg schon das Ziel oder ist das tats√§chliche Erreichen des gesteckten Zieles das Entscheidende?

Zu welchem Schluss man auch immer gelangt ¬Ė allein das wundersch√∂ne, sanfte Spiel von Liz Lempen, das phantasievolle B√ľhnenbild, der liebevolle Einsatz von Tisch- und Schattenfiguren und nicht zuletzt die magische Klangwelt, die das Geschehen begleitet, entf√ľhren in ein Reich der Phantasie, das verzaubert. Wer denkt da noch √ľber gewisse Unzul√§nglichkeiten der Schildkr√∂te nach?...
A.Berger, N.Fischbach
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