Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

Der ImbisskriegKlein Frankenstein
Ursula von RĂ€tin
Figurentheater Cornelia Fritzsche
Sonntagsmatinee! Rattenscharfe Inszenierung, ausgezeichnet mit dem Dresdner Satirepreis 2016, so die VorankĂŒndigung fĂŒr das StĂŒck.
Puppenspielerin Cornelia Fritzsche sitzt gelassen auf einem Barhocker mit ihrer Großmaulfigur Ursula von RĂ€tin, der eigentlichen Heldin.
Ursula – ganz Diva - stellt sich vor als KĂŒnstlerin, die es geschafft hat. Sie hat sich von der Theaterfigur mit nur kleinen Auftritten und mĂ€ĂŸig erfolgreich zur gefeierten SĂ€ngerin und Entertainerin verwandelt.
Ihr Schicksal war das vieler ausgedienter Puppen: Als "Wolodja" war sie abgespielt, gehörte zum "alten Eisen" und hing im Puppenarchiv des Theaters. Eines Tages wurde sie entdeckt. Der Puppenspielerin fehlte eine Figur. So war es Liebe auf den ersten Blick. Und Ursula ist glĂŒcklich. Sie wird wieder gebraucht und kommt richtig in der Weltgeschichte rum, sagt sie stolz. Zwischen der RĂ€tin und ihrer Spielerin entwickelt sich ein Dialog, dabei sind die Grenzen zwischen Spiel, Puppe und Spielerin fĂŒr den Zuschauer fließend. Wer antwortet jetzt? Cornelia Fritzsche oder Ursula, die Schaumgummi- Puppe?
Grandios! Nichts an Themen lassen sie aus: das Leben als Schauspielerin, Arbeitsbedingungen, Zweisamkeit und Liebe, Verhalten von MĂ€nnern und Frauen, dem Publikum wird der Spiegel vor gehalten oder es wird direkt angesprochen: "Ja, klatschen ruhig!"
Nach wenigen Minuten springt der Funke ĂŒber und Ursula von RĂ€tin, alias Cornelia Fritzsche, zieht die Zuschauer in ihren Bann. Über ihre spritzigen Dialoge, den Mutterwitz lacht man, amĂŒsiert sich. Auf der BĂŒhne pure Spielfreude, die nicht ohne Wirkung bleibt.
Eineinhalb Stunden – mit Pause - ein Feuerwerk an EinfĂ€llen, voller Anspielungen, ironischer Leichtigkeit und gesellschaftskritischer Aussagen aus der Sicht einer RĂ€tin- einer Ratte. Sie ist eigentlich ein Tier, das abgelehnt und wenig positive Bilder entstehen lĂ€sst. Ratten sind nicht niedlich, possierlich so wie eine Maus, sondern eklig, lebt im Untergrund und ernĂ€hrt sich vom Abfall.
Eine wunderbare Verkehrung!
Gerade dieses Tier erscheint im Rampenlicht, trÀgt Abendkleid und Schmuck und ist ein Star, dem die Herzen zufliegen.
Als gefeierte Entertainerin bedankt sich Ursula von RĂ€tin beim Publikum fĂŒr den langanhaltenden Applaus. Mit einem Augenzwinkern Ă€ußert sie ihren Wunsch: "Gerne dĂŒrft ihr auch Blumen oder Kuscheltiere werfen."
Das Publikum lacht! Ich verlasse mit einem LĂ€cheln den Raum.
Ein herzerfrischender Sonntagvormittag. Toll!
Der ImbisskriegKlein Frankenstein
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