Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

The KingDer Hundertjährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand
Hans im Glück
Theater mit Puppen, Mallin
Was soll das denn bedeuten? Ein Pavillonzelt auf der Bühne?? Wie passt das mit Puppenspiel zusammen? Und dann betritt Stefan Rätsch das Bühnenpodest und begrüßt das Publikum mit weit ausholender Gestik, begibt sich in dieses Pavillonzelt und bereitet sich vor für seine Interpretation des Märchens. Der Vorhang des Zeltes öffnet sich und heraus kommt ein Mann mit weißem Spitzhut, dessen Körper in Bauchhöhe von einer Bühnenplattform umschlossen wird, die Füße angetan mit goldenen Schuhen und Bändern aus Glöckchen um die Knöchel. Damit vermag er auf dem Bühnenboden seine Sprache durch Rhythmuselemente zu unterstreichen. Er entführt uns in eine fantastische Welt, mit optischen Gläsern, Pferden, clownesken Figuren. Und so erzählt er auch, was uns das Märchen nicht verrät: Hans hat in den sieben Lehrjahren den Beruf des Akrobaten erlernt. Am Ende seiner Lehrzeit erhält er den Klumpen Gold, der ihm bald zu schwer wird und den auf seinem Weg heimwärts zur Mutter eintauscht gegen ein Pferd, das Pferd gegen die Kuh, die Kuh gegen das Schwein, das Schwein gegen die Gans, die Gans gegen den Schleifstein, der ihm schließlich in den Brunnen fällt, so dass er befreit von allen irdischen Lasten sein Heimatdorf erreicht. Immer hat Hans mit großer Freude getauscht, empfand sich als glücklich, seine Situation zu verändern.
Auch bei dieser Inszenierung faszinierte Sprache, Klang und Rhythmus verknüpft mit einer Musikeinlage, Elemente, die in den Märchen von Manfred Kyber so ausgezeichnet zur Geltung kommen. Stefan Rätsch spielte das Märchen mit expressionistisch anmutenden Bildern, die für Anhängern der klassischen Sichtweise auf das Märchen vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig waren, als Gesamtbild in einem Festival aber absolut faszinierten und die Sicht auf das Märchen erweiterten.
The KingDer Hundertjährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand
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