Pole Poppenspäler Tage 2016 - Rückblick

Hans im Gl√ľckTheater f√ľr Gl√ľckliche
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand
Theatrium Figurentheater, Dresden
Ein Bestseller, ein erfolgreicher Film mit ambivalenter Kritik, ein H√∂rspiel mit prominenter Besetzung und nun ¬Ė ein Figurentheater. Detlef-A. Heinichen, quasi abonniert auf gro√üe Werke der Weltliteratur, inszenierte den absurden Deb√ľtroman des schwedischen Autors Jonas Jonasson. Dabei hatte er nach langer Zeit wieder einmal einen Mitspieler: Wolf-Dieter G√∂√∂ck von der Serkowitzer Volksoper. Ort der Handlung: ein Steg an dem sich zwei Angler, ein Staatsanwalt und ein pensionierter Polizist, f√ľr ihr Freizeitvergn√ľgen regelm√§√üig treffen. Dem einen l√§sst ein noch offener Fall keine Ruhe, der andere kann Hintergrundinformationen geben, die in den Akten bestenfalls zwischen den Zeilen stehen. Man k√∂nnte auch dar√ľber philosophieren, ob einem hier Anglerlatein serviert wird, wenn die beiden die "dicken Fische", Pers√∂nlichkeiten der Weltgeschichte, an der Angel haben. Und so ziehen die Stationen der Romanhandlung am Zuschauer vorbei: wie Allan Karlsson sich entschlie√üt, kurz vor der Feier anl√§sslich seines 100sten Geburtstags aus dem Altenheim zu fliehen, wie er den jungen Mann trifft, der ihm den Geldkoffer anvertraut, warum er nur bis in das Kaff kommt in dem der (erst siebzigj√§hrige) Gelegenheitsdieb Julius Jonsson lebt, mit dem er in der Folge die absurdesten Situationen meistert. Die sind aber letztlich auch nur ein Spiegel eines Lebens voller verr√ľckter Wendungen, die Karlsson in die Spitze der Weltpolitik bringen und die nun, eine nach der anderen, seinem neuen Kumpel erz√§hlt. Folgerichtig taucht sein Gesicht in ber√ľhmten historischen Fotos, die auf die Leinwand des B√ľhnenhintergrundes projiziert werden, wie beim Photobombing, immer wieder auf. Und selbstverst√§ndlich erz√§hlt Karlsson bevorzugt die "Highlights" ¬Ė Zeiten, die er in Straflagern oder in Kriegen verbrachte, dienen letztlich nur dazu, dort (fiktive) Menschen kennen zu lernen, die ihn in sein n√§chstes gro√ües Abenteuer begleiten. Dabei macht er eigentlich immer nur, wozu es ihn dr√§ngt: mit Sprengstoffen experimentieren, Br√ľcken, Stra√üen und H√§user in die Luft sprengen.
Anhand der Akten wandert der Zuschauer von Episode zu Episode dieses Lebens, die mit der Ausstattung von Coco Ruch in Szene gesetzt werden. Parallel dazu wird die aktuelle, letzte verr√ľckte Geschichte der Flucht aus dem Altenheim mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen, erz√§hlt. Die "schr√§ge Musik" zwischen den einzelnen Episoden, Detlef-A. Heinichen Gesang und Posaune, Wolf-Dieter G√∂√∂ck Gesang und Schlagzeug, rundete diesen mit viel Beifall bedachten Premierenabend am Ende der 33. Pole Poppensp√§ler Tage zus√§tzlich ab.
Hans im Gl√ľckTheater f√ľr Gl√ľckliche
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