Pole Poppenspäler Tage 2017 - Rückblick

... und Kasperl lachteMascha Kaléko
Hands up!
Lejo, Amersfoort, Niederlande
„Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht.“ Augen, Nase, Mund machen im Wesentlichen das menschliche Gesicht aus. Auf was kann man verzichten? Die Nase? Smilies funktionieren auf diese Weise. Den Mund? Er kann z.B unter einem Bart verborgen sein. Der berühmte Puppenspielfilmregisseur Carl Schröder versah die Figuren in seinen Filmen gern mit kleinen Mündern. Abseits von Klappmaul beeinträchtigt der geschlossene Mund die Illusion der sprechenden Figur. Unverzichtbar sind die Augen. Und sie spielen auch eine zentrale Rolle in Lejos Szenenprogramm „Hands up!“. Weiße Bälle sind der Augapfel, darauf die schwarze Iris. Jeder erkennt sofort, was es ist. Die Hände auf die diese „Augen“ aufgesteckt sind, formen mit den Fingern mal ein Gesicht, mal einen Körper. Die Größe der Augen bestimmt die Größe des Darstellers. Dabei sind die Stimmungen seiner Wesen stets erkennbar. Einige Requisiten markieren bestimmte Situationen. Wie Lejo es fertig bringt, zeitgleich auf zwei relativ weit auseinander liegenden Ebenen zu spielen, erhellt er zwar am Ende der Vorstellung, doch bleibt es ein bewundernswerter akrobatischer Akt. Von Anfang bis Ende entfaltete Lejo ein temporeiches, wortloses Szenenprogramm zu teilweise rasanter Musik. Und immer hatte er die Lacher auf seiner Seite. Es war eine hinreißende, kurzweilige Stunde Unterhaltung, perfekt für die ganze Familie und darüber hinaus eine der Entdeckungen des Festivals.
Nach der Vorstellung gab es dann noch einen kleinen Workshop bei dem man die Wirkung des Spielprinzips selbst erproben konnte. Auch wenn man genau erkennen kann, wie die Bilder erzeugt werden, ist man mehr als bereit, sich der Illusion hinzugeben. Vielleicht etwas für die nächste Familienfeier?
... und Kasperl lachteMascha Kaléko
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