Pole Poppenspäler Tage 2017 - Rückblick

Ein Fest für Pulcinella! Ronja Räubertochter
Die dritte Hand
Die sieben Schwestern, Stuttgart
Als begeisterter Krimifan freue ich mich auf diesen Abend. Im meinem Kopf sehe ich noch die Filme in schwarz-weiß mit der grandiosen Schauspielerin Margret Rutherford als verschrobene Miss Marple.
Natürlich ist mir bewusst, dass ich mich von meinen Vorstellungen frei machen muss, um mich auf dieses Stück hier als Figurentheater einlassen zu können. Ich bin gespannt.
Das Licht geht aus und eine schwarz-weiße Szenerie erscheint, mittendrin zwei schwarz-weiß gekleidete Handpuppen, Miss Marple und ihr Bekannter Mister Stringer. Sie besuchen einen bekannten Ort, Husum, schlendern durch die Gassen und wollen Dr. Pflaume aufsuchen. Doch als sie die Praxis gefunden haben, finden sie im Wartezimmer erstarrte Patienten und den Doktor tot. Was ist geschehen? Sofort beginnen die beiden zu recherchieren.
Ihre Fallanalyse ist schwierig, denn unter ihnen, im dunklen Theaterboden, diskutieren die beiden Puppenspielerinnen immer wieder ihre Vorgehensweise. Bis es dann zu in einem richtigen Streit um die Frage nach der dritten Spielerin kommt. Was ist mit ihr geschehen?
Für den Zuschauer wird nicht ersichtlich, welche Rolle diese „dritte Hand“ spielt. Ist sie die Mörderin der Handpuppe oder wurde sie von einer Spielerin außer Gefecht gesetzt, um selbst in der Rolle der „dritten Hand“ zu glänzen?
Dem Geheimnis zwischen oberem Bühnengeschehen der Handpuppen und dem Undergroundspiel der Puppenspielerinnen komme ich nicht auf die Spur. Dennoch gefällt mir die Idee mit dem Spiel des doppelten Bodens. Mehrere Handlungsstränge laufen mal parallel, kreuzen sich bisweilen und werden irgendwie gewunden weitererzählt – wie in den alten Filmen.
Der zweite Teil verwirrt mich ganz, als in die Ermittlung ein Werbespot eingeblendet wird. Plötzlich bin ich raus! Grad noch wusste ich, wer der Mörder ist, aber jetzt habe ich meinen Faden verloren.
Dagegen wird mir eins klar: Es ist zu einfach, nur in Schwarz oder Weiß zu denken. Die dritte Hand – die dritte Spielerin taucht jedenfalls lediglich als Bild auf.
B. Empen
Ein Fest für Pulcinella! Ronja Räubertochter
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