Pole Poppenspäler Tage 2017 - Rückblick

Ronja RäubertochterPuppenspieler stellen sich vor
Salome
Handmaids, Berlin, Kopenhagen
Welch‘ eine Überraschung. Handmaids aus Berlin sorgen mit dieser Aufführung für einen weiteren Glanzpunkt des diesjährigen Festivals. Kein Puppen- oder Figurentheater, es ist eine Materialschlacht aus Papier.
Zunächst befindet sich auf der Bühne ein meterhoher Papierberg, aus dem sich langsam die drei Schauspielerinnen hervorschälen. Hier die erste Besonderheit: die drei Damen sind in halblange Kleider gewandet, Stöckelschuhe, Pumps. Und dann spielen sie, miteinander oder kontrapunktierend, alleine für sich und in Interaktion, wobei Ulrike Langenbein durch ihre Präsenz führt und die Richtung vorgibt.
Natürlich wuchern sie mit dem Pfund „Sexappeal“, man(n) müsste blind sein, es nicht wahrzunehmen, aber sie spielen es nicht offensiv aus, es gehört zum Themas des Stücks, ist nie aufdringlich und schlägt unverzüglich den Bogen in die Darstellung als solche.
Und diese besteht aus Papier, Papier, Papier . . . Papier zerfetzendes Ritschen, Ratschen, Knarren, zerrendes Geknister.
Trotzdem folgt man – nicht immer den Worten, aber den roten Faden führen handmaids mit spielerischer Eleganz fort.
Da steht am Bühnenrand eine 120 cm hohe Papierrolle, die quer zur Bühne ausgerollt, von hinten beleuchtet wird. Zwei der Spielerinnen, die mit geknülltem Papier in den Händen einen Dialog führen. In diesem Schattenknäuel lassen sich Gesichter erahnen, die stets changieren, sich ständig verändern. Der Schleiertanz der Salome dann, wenn alle drei gefühlte Tonnen an Papier aufnehmen, diese über ein Gerüst werfen und am Ende die Installation durchaus einen abgeschlagenen Kopf vermuten lässt.
Die Truppe hält eine außergewöhnliche Spannung bis zum Schluss, eine Spannung, die das durchdringende Element dieser Vorstellung ist, welche ohne jegliche Effekthascherei auskommt und komplett auf jedwede Hintergrundmusik verzichtet, was nur eindrucksvoll die atmosphärische Dichte dieses Abends unterstreicht.
Salome ist eine Inszenierung wie ein abstraktes Gemälde, eine Komposition, die man lange betrachtet und die, wenn man sich darauf einlässt, jede Menge neue Eindrücke vermittelt.
Torsten Zajwart
Ronja RäubertochterPuppenspieler stellen sich vor
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