Pole Poppenspäler Tage 2017 - Rückblick

Heiliger BimaImpressionen 2017
Das Märchen vom guten Ende
Die Exen, Berlin
Fulminant! Spielerinnen, die so auf einander abgestimmt sind, dass sie zu dritt eine Figur spielen können. Da bekommt die Puppe jeweils die rechte und die linke Hand einer Spielerin und gesprochen wird sie von der dritten. Ausgewählt für diesen Abend hatten sich die Spielerinnen „die exen“ aus Berlin die schrecklichsten Märchen der Gebrüder Grimm, von denen man als Zuschauer noch nichts gehört hatte. Wer nachgeschlagen hat, konnte feststellen, dass diese Geschichten tatsächlich von den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben wurden, doch hielten sie glücklicherweise nie Einzug in die Kinderstuben.
Während des Stücks bleibt einem so manches Mal der Lacher im Halse stecken. Da werden die Hand abgehackt, die Augen ausgestochen und das Herz herausgerissen. Ein schrecklicher Anblick! Dennoch gelingt den drei Frauen die Balance zwischen Abschreckung und Ästhetik. Jede Szene, jede Figur, selbst Gevatter Tod, vor dem sich jeder fürchtet, birgt als tragisches Element eine lächerliche Seite.
Die Inszenierung ist temporeich, witzig und löst den Zuckerguss vieler Märchen auf. Die Exen zeigen die Märchen in ihrer Ursprünglichkeit. In der damaligen Zeit vertraute der Mensch den uralten Überlieferungen. Er schwankte zwischen Glauben und Aberglauben, Dämonen und Geistern. Tod und Teufel wurden angefleht und für seine Sünden wurde man bestraft. Ängste, Zweifel standen im Mittelpunkt, nicht Verzeihen oder Gottvertrauen.
Diese Ambivalenz zeigt sich auch im Spiel. Mal bissig böse, mal grotesk oder weise werden Facetten der gesellschaftlichen Moral ad absurdum geführt. Und immer wieder der Mensch als Handelnder, verantwortlich für sein Tun, aber auch als Marionette des Geschehens, ausgeliefert und abhängig.
Das Märchen vom guten Ende ist einerseits Spiegelbild menschlicher Abgründe und Unzulänglichkeit und anderseits ein Lehrstück der hohen Kunst des Puppenspiels:
Spielfreude gepaart mit Professionalität und echtem Können! Das kann den Zuschauer nur begeistern! Ein toller Abschluss des diesjährigen Festivals.
B. Empen
Heiliger BimaImpressionen 2017
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