Pole Poppenspäler Tage 2017 - Rückblick

 
Offenes Museum
Nikki & Clarissa
Nicole Weißbrodt, Berlin
Ein deutscher Privatsender hat mit „Puppenstars“ ein Format entwickelt, das vorgibt, ein Wettbewerb für professionelles Puppenspiel zu sein. In den wenige Minuten dauernden Clips begegnet man allerdings häufig Figurentheaterbegeisterten, die von der Zuschauer- auf die Spielerseite gewechselt sind. Dabei kommt dann das heraus, was auch Eltern bei der Schulaufführung ihres Nachwuchses in Kindergarten und Grundschule erleben: Eine Demonstration der Freude an der Sache. Die Ausführung hat mit dem was qualitätvolles Schauspiel oder in diesem Fall Puppenspiel ausmacht, wenig zu tun. Dennoch verirren sich bisweilen echte Profis unter die Darsteller. So das in Husum sehr geschätzte Theater auf der Zitadelle oder Nicole Weißbrodt (Nikki) mit ihrer Clarissa.
Zum Auftakt der Pole Poppenspäler Tage konnte man Nikki und Clarissa nun live und in Farbe durch die Husumer Innenstadt streifen sehen. Clarissa ist trotz ihres Alters sehr agil und nicht auf den Mund gefallen. Sie hat außerdem viel Erfahrung im Showbizz. Sie hat schon auf der Titanic getanzt – bis zum Untergang. Stummfilm ist nicht so ihrs. Sie nimmt ihre Pflegerin Nikki mit – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Leute sehen nur Clarissa Zockovic – die Pflegerin Nikki scheint nur Beiwerk zu sein. Deshalb beugen sich die angesprochenen Passanten auch zu Clarissa, die im Rollstuhl sitzt, herunter, wenn sie ihr Antworten auf die gestellten Fragen geben wollen.
Die Fahrt durch Husum ist reine Improvisation. Da werden zwei Mädels mit bunten Strähnen nach dem Friseur gefragt, der die gemacht hat und sie geben auch ganz ernsthaft Auskunft. An der Schlossluke, dem frisch eröffneten Kiosk am Schlossgang, bekommt Clarissa sogar eine Zeitschrift geschenkt.
Und das kann nur wirklich gutes Puppenspiel – es verwischt die Grenze zwischen „echtem Leben“ und „totem Material“.
 
Offenes Museum
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